Als der Konvoi, bestehend aus vier Mercedes M Klasse-Fahrzeugen,
die einen Bentley Continental GT an der dritten Position förmlich einklemmten, auf
dem großen Freigelände vor einer alten Fabrikhalle zum stehen kam,
ergoss sich daraus ein Heer von schwarz gekleideten Typen, die alle so aussahen,
als zögen sie jeden Moment eine Waffe. Während sich Malev, das Hühnchen,
aus dem Rücksitz des Bentleys schälte, waren seine Leute damit beschäftigt
die beiden Rollstühle duch die Hecköffnung zu wuchten, was aufgrund
des Gesamtgewichtes, Insasse und Stuhl, erhebliche Schwierigkeiten machte.
Horsti und Krafti ließen geschehen, was sich nicht vermeiden ließ und
fanden sich auf dem rollfeldgroßen Betonareal wieder.
Im Gegensatz zu der schwarzbefrackten Fraktion trugen sie einen farbenfrohen
Jogginganzung, worauf nicht nur Malev bestand sondern auch lustige Applikationen
angebracht waren. Als begeisterter Verehrer des European Song Contests hatte
er hatte das Gespür für das Große, für die Show. Das sah
man seinen beiden Armdrückarmateuren an, selbst auf große Entfernungen.
Was man aufgrund der extrem weitgeschnittenen Oberteile nicht sah, waren die
jeweiligen Umfänge der Oberarme.Vor dem großen, metallenen Tor stand
das vielköpfige Empfangskomitee des Veranstalters, der zu diesem Wettkampf
eingeladen hatte, das nur zwei vermeindliche Fettklöpse in viel zu kleinen
Rollstühlen sitzen sah. Die Bonbonfarben trugen überdies dazu bei,
dass man den beiden Wettkämpfern schon im Vorfeld keine allzu große
Chancen auf das Überstehen der ersten Runde einräumte.
Die Kämpfe wurden von einer illegalen Organisation veranstaltet, die davon lebte, dass sie eine gehörige Provision von den eingesetzten Wettgeldern erhielt. Mal wurde ein Wettkampf in Wladiwostok, mal auf der Krim und mal in Shymkent in Kasachstan, gerade einmal fünfzig Kilometer von der Grenze zu Usbekistan entfernt und doch am Arsch der Welt, veranstaltet. Die Zuschauer rekrutierten sich sowohl aus der gehobenen Schicht, die sich nach dem Verfall des Eisernen Vorhangs wie auf Knopfdruck bildete, als auch aus allen anderen Bevölkerungsschichten. Die Höhe des Wetteinsatzes verhielt sich proportional zum zur Verfügung stehenden Monatseinkommen, welches zwischen Hundert Euro und Hundert Millionen Euro schwankte.
Als der Tross den Eingangsbereich der alten Halle erreichte
teilte sich das Empfangskomitee zu einem Sparlier, Hände wurden geschüttelt, Männerbussies
verteilt. Man kannte und respektierte sich in der Unterwelt. Dem Gebäude
sah man an, dass nach der Wende niemand so richtig wusste, was man aus dem
alten Koloss machen sollte. Mehrere Anläufe eine Hotelanlage entstehen
zu lassen scheiterten und so blieb zu guter Letzt einzig ein Schild verlassen
an der Fassade zurück, das zeigte, wie es hätte werden können.
Doch es kam ganz anders. Irgendwann rückten die Bautrupps ab und hinterließen
ein teilweise aufgemotztes Hallenmonstrum. Ein windiger Geschäftsmann
riss sich das Teil für ein paar Kröten unter den Nagel und nutze
es seither für diverse legale und illegale Veranstaltungen.
Dieser war es auch, der, umgeben von reichlich Grazie in Form vierer lang-
und zweibeiniger Gazellen, Malev, das Hühnchen, und seine Männer
aufs herzlichste begrüßte und ihm beim Busseln ins Ohr zuflüsterte,
dass vier Blondinen für ihn einfach zuviel wären und er gerne teilen
würde. Vorausgesetzt, seine Männer würden aus dem Wettkampf
als Sieger hervorgehen. Er konnte einfach nicht verlieren, der Nautilus, wie
er von allen genannt wurde. Er hatte sich vor Jahren diesen Namen selbst gegeben,
nachdem er die Bücher von Jules Verne regelrecht verschlungen hatte. Ihm
gefiel die Sache mit dem Unterseeboot. War er doch auch so einer, der hin und
wieder gerne abtauchte. Wenn auch nicht um die Unterwasserwelt zu genießen,
sondern um von der hießigen Polizei nicht entdeckt zu werden.